|
|
 |
Viele Menschen nehmen das Zirbeldrüsenhormon Melatonin, das nachts ausgeschüttet wird und an der Regulierung des Schlaf-Wach-Rhythmus beteiligt ist, ein, um ihren Schlaf zu verbessern - nicht nur in den USA , sondern auch in Deutschland, obwohl es bei uns bislang nicht als Mittel gegen Schlafstörungen zugelassen ist.
Eine große Metaanalyse (das heißt eine Untersuchung, in deren Rahmen mehrere Studien zu einem bestimmten Thema ausgewertet werden) hat nun gezeigt, dass Melatonin den Schlaf offenbar doch nicht verbessert: In sechs untersuchten Studien ließ sich die Einschlafdauer von Patienten, die unter einer sekundären Schlafstörung litten (das heißt einer Schlafstörung, die durch eine andere – internistische oder neurologische - Erkrankung bedingt ist), durch Melatonin nicht verkürzen.
In neun weiteren Studien verbesserte sich auch die Schlafqualität unter Einnahme von Melatonin nicht - und zwar nicht einmal bei Schlafstörungen aufgrund von Jetlag oder Schichtarbeit, wo das Hormon bisher hauptsächlich zum Einsatz kam. Offensichtlich hat Melatonin lediglich die Funktion, den Tagesrhythmus zu regulieren, kann aber den Schlaf nicht herbeiführen.
Im Gegenteil: Bei Jetlag kann es die Anpassung an den Tagesrhythmus des Ziellandes sogar verzögern. Allerdings zeigte sich auch in keiner der Studien eine schädliche Wirkung von Melatonin. Menschen, die Gerinnungshemmer einnehmen, sollten das Hormon allerdings nicht nehmen, da es die Verstoffwechselung von Warfarin (dem Wirkstoff von Coumadin) beeinflusst.
(Quelle: Das Schlafmagazin Nr. 3/2006)
|
 |