|
|
 |
Kiel – „Er schnarcht, um die bösen Tiere zu vertreiben“. Ein alter Spruch zu einem nächtlichen Phänomen das allein in Deutschland rund 30 Millionen Menschen den gesunden Schlaf raubt: Schnarchen. Dass es an der Zeit ist, nicht mehr Sprüche, sondern ernste Aussagen darüber zu machen, wurde in den Ausführungen der Kieler Zahnmedizinerin Dr. Susanne Schwarting deutlich. Sie hielt am Montagabend beim Zonta Club Kiel einen Vortrag mit dem Titel „Liebling, du schnarchst!“.
Die Zuhörer begriffen schnell, dass „der Lkw im Schlafzimmer“ viel mehr bedeutet als eine unangenehme Lärmbelästigung für den Bett-Partner. „Beim Schnarchen kommt es durch den erschlaffenden Muskeltonus im Schlaf dazu, dass Zunge und Gaumensegel zurück fallen und den Rachen verengen. In einigen Fällen sind Atemaussetzer von länger als zehn Sekunden die Folge“, erläuterte Dr. Schwarting. Das habe massive Auswirkungen auf die Gesundheit des Menschen. „Mehrmals pro Nacht eine mangelnde Sauerstoffversorgung, die unbemerkt ständig wiederkehrende Weckreaktionen des Gehirns auslöst, da ist an den wichtigen erholsamen Tiefschlaf nicht zu denken. Somit ist die Leistungsfähigkeit am Tag erheblich eingeschränkt.“ Mehr noch. Diese von den Medizinern als Schlafapnoe bezeichnete Schlafstörung könne ernste Auswirkungen wie etwa Bluthochdruck, Schlaganfall oder Herzinfarkt zur Folge haben. „Außerdem eine Tagesmüdigkeit, die den gefährlichen Sekundenschlaf hervor ruft, der dann auf unseren Autobahnen zu dramatischen Unfällen führt“, so Schwarting.
Über den Ehemann, einen Kieler Lungenfacharzt, kam die Zahnmedizinerin vor zehn Jahren eher zufällig mit dem Thema in Berührung, erfuhr von Möglichkeiten der Hilfe durch besondere Zahnschienen, die in den USA erfolgreich zum Einsatz kamen. „Es handelt sich um individuell angepasste und einstellbare Kunststoff-Zahnschienen, die den Unterkiefer leicht nach vorne schieben und so die Atemwege frei machen, sogenannte Unterkiefer-Protusionsschienen.“ Es sei zu der auch sehr effektiven Überdruck-Beatmung, bei der die Patienten nachts mit einer Maske schlafen müssten, eine echte Alternative, da viele Probleme hätten mit einer Maske in den Schlaf zu finden. „Auch die Schienen sind nicht für jeden geeignet und vor einer Anpassung muss immer eine Schlafanalyse mit einem Aufzeichnungsgerät stehen. Daher ist zunächst der Besuch beim Lungenfacharzt unabdingbar.“
Als Autodidaktin hat Susanne Schwarting angefangen die Schienen gegen das Schnarchen einzusetzen. Zunächst seien es relativ harte Kunststoffklötze gewesen, heute gebe es trageangenehme elegantere Modelle. Von ihrer Methode überzeugt sie mittlerweile die ganze Welt, pendelt zu Kongressen und Fortbildungen rund um den Globus. Brüssel, Singapur und Sydney sind ihre Stationen allein in den kommenden Wochen. Vor sieben Jahren gründete die rührige Kielerin die Deutsche Gesellschaft Zahnärztliche Schlafmedizin, deren Vorsitzende sie ist. „Wir müssen dafür sorgen, dass das Thema Schlafapnoe in die Köpfe kommt und dass immer mehr Zahnmediziner lernen, diese Schienen anzupassen.“ Schließlich soll eine Frage bald der Vergangenheit angehören: Schlafen Sie gut oder schnarchen Sie noch?
Quelle: KN-Online, 26.10.2007
|
 |