Schnarcher leben gefährlich

Atemaussetzer: Hohes Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko



Sie vernichten im Schlaf ganze Wälder und erreichen dabei den Geräuschpegel einer Kettensäge: Schnarcher. Mit einer Lautstärke von bis zu 85 Dezibel treiben sie irgendwann auch den geduldigsten Partner auf die Palme. 60 Prozent der Männer und 40 Prozent der Frauen über 60 Jahren "quälen" ihre Umgebung unbeabsichtigt mit lauten Atemgeräuschen. Manche halten dabei sogar mehrmals in der Nacht mindestens zehn Sekunden lang den Atem an. Dieses krankhafte Schnarchen kann langfristig lebensgefährliche Gesundheitsschäden zur Folge haben. Doch viele Betroffene ahnen gar nicht, dass sie unter einer so genannten Schlafapnoe leiden. Erst besorgte Partner, die Atemaussetzer in der Nacht beobachten, oder plötzlich auftretende körperliche Leiden lassen die Betroffenen aufschrecken.



Unerklärlich starke Kopfschmerzen
Plötzliches Einnicken kann auf Schlafapnoe hindeuten
Krankheit ist nicht heilbar
Operationen sind nicht immer die richtige Lösung
Erste Diagnose im heimischen Bett

Unerklärlich starke Kopfschmerzen
Auch Renate Bröal, Gründungsmitglied der "Selbsthilfe Schlafapnoe e.V. Essen", ist früher immer bleich und mit unerklärlich "wahnsinnigen Kopfschmerzen" aufgewacht."Ich bin nach dem Aufstehen als erstes zum Fenster gegangen und habe nach Luft geschnappt", erinnert sie sich im Gespräch mit wdr.de. Als sich ihr Mann über ihr geräuschvolles Schnarchen und häufige Atemaussetzer beschwerte, fing sie an, sich mit dem Phänomen näher zu beschäftigen. Sie knüpfte Kontakte zu anderen "Schnarchern", gründete mit ihnen gemeinsam eine Selbsthilfegruppe und ließ sich in der Essener Ruhrlandklinik genauer untersuchen. Die Diagnose: eine Schlafapnoe in der Anfangsphase.

Plötzliches Einnicken kann auf Schlafapnoe hindeuten
Abgeschlagenheit, Kopfdruck, Konzentrationsschwäche, starke Tagesmüdigkeit oder plötzliches Einnicken bei monotonen Tätigkeiten sind typische Anzeichen für eine gefährliche Schlafapnoe. "Auch ein vom Arzt schwer einzustellender hoher Blutdruck kann auf ein Schnarchen mit Atemaussetzern hindeuten", erklärt Dr. Volker Töpfer von der Abteilung Schlaf- und Beamtmungsmedizin an der Essener Ruhrlandklinik. Viele Hausärzte würden sich jedoch nur schlecht mit der Krankheit "Schlafapnoe" auskennen oder die Schlafmedizin nicht richtig ernst nehmen, kritisiert er. Diese Fehleinschätzung könnte jedoch fatale Konsequenzen für Patienten haben. Töpfer: "Das Risiko einen Schlaganfall oder Herzinfarkt zu erleiden, ist bei Menschen mit einer Schlafapnoe fünf Mal höher." Die extreme Müdigkeit am Tag kann zudem zu Unfällen im Straßenverkehr oder am Arbeitsplatz führen.

Krankheit ist nicht heilbar
Erst seit den letzten 15 Jahren beschäftigt sich die traditionelle Medizin mit den Phänomenen Schnarchen und Schlafapnoe. 3.500 Patienten mit Schlafstörungen lassen sich jährlich in der Essener Ruhrlandklinik untersuchen. 80 Prozent sind Schnarcher. Zirka 60 Prozent leiden unter Schlafapnoe und sind behandlungsbedürftig. Heilbar ist die Erkrankung nicht. Sie kann nur durch operative Eingriffe oder mechanische Hilfsgeräte wie Atemmasken gelindert werden. Spangen, die entweder im Mundraum die Zunge nach unten drücken oder den Kiefer mit Druck in die richtige Position schieben, sollen mechanisch eine totale Entspannung der Muskulatur im Halsraum und damit das Schnarchen sowie die Atemaussetzer verhindern. Atemmasken bauen wiederum einen kontinuierlichen Überdruck auf, der vermeiden soll, dass die Luftröhre zusammenfällt. Sitzen die Masken nicht richtig, kann es allerdings zu störenden und lauten Luftgeräuschen und Nebenwirkungen wie entzündeten Augen oder laufenden Nasen kommen. Diese Erfahrung machte auch Renate Bröal von der "Selbsthilfe Schlafapnoe e.V. Essen". Weil sie die Maske schlecht vertrug, ließ sie sich schließlich eine Mundspange anfertigen.

Operationen sind nicht immer die richtige Lösung
Mit einer operativen Straffung des Gaumensegels, Verkürzung des Zäpfchens oder der Herausnahme übergroßer Mandeln kann ebenfalls Schnarchern und ihren Partnern geholfen werden. Dr. Volker Töpfer von der Ruhrlandklinik rät jedoch grundsätzlich, vorsichtig mit Operationen in Nasen- und Rachenraum umzugehen. Sie sollten nur von erfahrenen Spezialisten durchgeführt werden. Und selbst nach einer Operation gebe es keine 100-prozentige Garantie, dass der Betroffene nie mehr schnarcht oder die Aussetzer aufhören. Es habe sogar Fälle gegeben, bei denen sich das Leiden nach einem Eingriff noch verschlimmerte.
Auch Hans D. Weitermann, Sprecher des Bundesverbandes Schlafapnoe Deutschland, ist skeptisch: "Das Schnarchen selbst ist nur ein Symptom der Schlafapnoe", beschreibt er die Problematik. Als Ursache für die krankhaften Atemaussetzer werde zum einen eine Fehlfunktion der Gehirnstrukturen vermutet, die für die Atmung zuständig sind. Zum anderen kann auch eine totale Entspannung des Hals- und Rachenraums während des Schlafes dazu führen, dass die dortige Muskulatur zusammenbricht und die Luftzufuhr abschnürt. "Wenn das Schnarchen beispielsweise durch eine operative Behandlung wegfällt, kann es trotz alledem zu gefährlichen Atemaussetzern kommen", warnt Weitermann.

Erste Diagnose im heimischen Bett
Schnarcher, die vermuten an einer Schlafapnoe zu leiden, sollten sich von ihrem Hausarzt an einen Facharzt (Internist, Hals-, Nasen-, Ohren- oder Lungenarzt) überweisen lassen. Dieser führt mit Hilfe von Überwachungsgeräten eine erste Diagnose im heimischen Bett durch. Beinhalten die Befunde erste Hinweise auf eine Schlafapnoe, sollte für eine detailliertere Diagnose ein Schlaflabor wie das der Essener Ruhrlandklinik aufgesucht werden. Allerdings müsse bei Schlaflaboren mit einer Wartezeit von bis zu einem halben Jahr gerechnet werden, bemerkt Weitermann. Die Kosten für Diagnostik, Behandlung und verordnete Hilfsgeräte werden in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Lediglich einige private Versicherungen bereiteten nach Information des "Bundesverbandes Schlafapnoe Deutschland" gelegentlich Schwierigkeiten.



Quelle: WDR


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